Das Vorzeigeprojekt von Rappelsdorf

Alte LPG-Blocks sollen in Rappelsdorf in moderne, barrierearme Wohnungen verwandelt werden. Ein mutiger Schritt gegen Abwanderung und für Zuzug. Gelingt die Finanzierung?


Von Katja Kempter

Rappelsdorf.Wohnen im Grünen gefällig? Dazu in modernen Wohnungen offen gestaltet und mit Balkonen ausgestattet? In absehbarer Zeit soll das möglich sein. Wo? Im Schleusinger Ortsteil Rappelsdorf.

Neu und alt: Aus den LPG-Blocks soll eine modernes Ensemble werden, bei dem aber die ursprünglichen Gebäude noch erkennbar bleiben.

Dort plant die Wohnungsgesellschaft Schleusingen (WGS) ein gut durchdachtes Vorzeigeprojekt, das von Fachleuten gelobt wird. Zwei in die Jahre gekommene LPG-Blocks, entstanden vor etwa einem halben Jahrhundert, sollen entkernt, saniert, umgestaltet werden. Kurzum, begehrter Wohnraum, der in die Zeit passt, wird geschaffen.

„Wir sind von unserem Bestand und Nachfragen ausgegangen – und haben alle Wohnungsgrößen eingeplant“, sagt WGS-Geschäftsführer André Schübel.

Der Weg, den die WGS gemeinsam mit dem Aufsichtsrat im Jahr 2017 betrat, war ein steiniger. Leerzug der zwölf Wohnungen hieß das erste Etappenziel. So genannte Verwertungskündigungen für die mit Kohle beheizten Wohnungen waren der erste Schritt. Eine Mietpartei ging vor Gericht und verließ das Objekt schließlich im Oktober 2025.

Die Pläne lagen da schon längst bereit, wurden angepasst und warten nun auf Genehmigung. André Schübel hat am Dienstag einen Gast ins Vorhaben einweiht und um Mithilfe gebeten. Frank Emrich vom Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ist begeistert vom Wohnprojekt.

WGS-Geschäftsführer André Schübel im Gespräch mit Frank Emrich, Direktor des Verbands Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. Erfurt.

„Kluges Projekt“

„Es ist ein kluges Vorhaben hier im ländlichen Raum“, schätzt er ein. Angetan ist er von der Lage, dem großzügigen Baufeld und dem attraktiven Wohnraum, der laut der Pläne entstehen soll. Nicht nur ein kluges, sondern auch ein sehr wichtiges Projekt für den ländlichen Raum. Warum? Weil die Stadt Schleusingen mit ihrer hundertprozentigen Tochter, der WGS, hier mit attraktivem Wohnen punktet und so Menschen in der Region hält, also Abwanderung verhindert und gleichzeitig Zuzug ermöglicht.

„Wir könnten es uns an dieser Stelle auch viel leichter machen, nämlich einfach sanieren. Doch wir möchten das anbieten, was nachgefragt wird: Moderner, attraktiv gestalteter, barrierearmer und -freier Wohnraum mit Balkonen“, sagt Bürgermeister Alexander Brodführer. Nicht nur er weiß, dass genau das einen Spagat bedeutet. Denn: Das kostet auf der einen Seite, muss auf der anderen jedoch für potenzielle Mieter bezahlbar bleiben.

Die Balance zu finden, damit die Gesellschaft bei einer solch hohen Investition nicht in Schieflage gerät, das sei die Kunst. Immerhin wird das Sanierungs- und Neubauprojekt in Rappelsdorf auf knapp fünf Millionen Euro Kosten geschätzt. Nun gilt es, nach einer vernünftigen Finanzierung zu suchen. Eigenmittel wird diese beinhalten, mit

Marktdarlehen müsse gearbeitet werden – aber vor allem auch mit Fördermitteln – aus verschiedenen Töpfen. Ohne geht’s nicht. Warum? Weil die Wirtschaftlichkeit dann nicht gegeben sei. Stichwort Mieten. Kaltmieten für Neubauten sollten zwischen zehn und elf Euro pro Quadratmeter liegen. Plus Nebenkosten sei man dann bei 14 bis 15 Euro, die ein Mieter pro Quadratmeter zahlen muss. Das Höchste der Gefühle.

Deshalb muss ein ehrgeiziges Projekt wie das in Rappelsdorf gut durchdacht und finanziert sein. Planer Bernd Slotosch aus Sonnefeld erläutert das Vorhaben, erzählt, dass die beiden Blocks mit einem Verbindungsbau „verschmelzen“ sollen, aber dennoch in ihrer ursprünglichen Form erkennbar bleiben.

Der Verbindungsbau, in dem neben Pelletheizung und -lager zwei neue barrierefreie Wohnungen untergebracht werden, ist gleichzeitig der Zugang zum Gebäudekomplex, das per Fahrstuhl aber auch mit Hilfe von Treppen erschlossen wird. Zu den Wohnungen geht’s über Laubengänge.

„Wir haben uns bei der Gestaltung derWohnungen an einem früheren Projekt orientiert. In der Straße des Friedens in Schleusingen haben wir die Grundrisse schon einmal umgesetzt. Die Wohnungen waren noch vor Fertigstellung vermietet“, sagt Schübel. Sie entsprächen dem Zeitgeist. Die Schleusinger Gesellschaft verfügt über etwa 300 Wohnungen. „Hier sprechen wir über 21 neu gestaltete“, stellt Emrich fest. Neu gestaltete, die ihren Preis haben werden. „Wer etwas anderes sucht, hat in Schleusingen aber durchaus die Chance, das zu finden“, bestätigt André Schübel.

Die Schleusinger Wohnungsgesellschaft geht in die Zukunft. Das Projekt in Rappelsdorf, hinter dem auch der Aufsichtsrat der Gesellschaft steht, ist ein erster Schritt, um dem Stadtentwicklungskonzept gerecht zu werden. Das sagt, dass 50 neue Wohnungen der Stadt gut täten.

Baubeginn in diesem Jahr?

Neun neue werden beim Projekt in Rappelsdorf geschaffen. Idealziel sei, im Oktober mit dem Bau zu beginnen. André Schübel liebäugelt mit dem 1. Januar 2028 als Mietbeginn.

„Für Rappelsdorf wäre das eine Chance auf Zuwachs. Das Projekt passt hierher“, ist sich Ortsteilbürgermeister Marko Frühauf sicher. Und tatsächlich könnten nach Vermietung 70/80 Einwohner hinzukommen.

Doch bis dahin liegt noch Zusammenarbeit vor allen Beteiligten. Hilfe hat Frank Emrich zugesagt. In welcher Form? Beispielsweise könne der Verband Kanäle öffnen zu Ministerien, zu Banken, zu Förderern. Er bietet seine Netzwerke an – zum Erfahrungsaustausch mit anderen, die ähnlich gelagerte Projekte umgesetzt haben. Verabredet haben sich Emrich und Schübel zu einem Termin in Erfurt,um über Fördermöglichkeiten zu reden.

„Hier bewegt sich etwas gut Durchdachtes“, sagt Frank Emrich. Er verlässt Rappelsdorf positiv gestimmt, ist überzeugt, dass alle Beteiligten es schaffen werden, die Mosaiksteinchen der Finanzierung zusammenzusetzen, sodass das Finanzierungsbild passt.„Die Vorbereitungen, die hier gelaufen sind, sind sehr gut!“ Er verspricht, wiederzukommen: Zum Richtfest und schließlich zur Einweihung.

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