Mit den zwei Wohnblocks am Lindenhaag in Rappelsdorf hat die Wohnungsgesellschaft Schleusingen Großes vor. Doch über den Jahreswechsel ist dort eingebrochen worden. Wer war’s?
Von Katja Kempter
Schleusingen. Die beiden Wohnblocks der Wohnungsgesellschaft Schleusingen am Rappelsdorfer Lindenhaag sind verwaist. Und doch haben sie eine blühende Zukunft vor sich, denn ein millionenschweres Wohnungsbau- und gleichzeitig -sanierungsprojekt liegt in der Schublade des Geschäftsführers der WGS, André Schübel.
Eigentlich ein Grund zur Freude, doch im Dezember des vergangenen Jahres gab’s eine böse Überraschung: In die leer stehenden Gebäude wurde eingebrochen. Eingebrochen? „Die Wohnblocks sind abgeschlossen“, sagt André Schübel. Nein, es stehen keine großen Werte mehr in den Wohnungen. In einigen hatte die Gesellschaft auch schon mit der Entkernung begonnen.

Aufgefallen war es während einer Leerstandskontrolle Anfang Januar. In einer Wohnung fehlte ein Ofen. Ein baugleicher fehlte auch in der zweiten Wohnung. In einer dritten und vierten ebenso. „Es war nichts aufgebrochen, da muss jemand mit einem passenden Schlüssel reingekommen sein“, bestätigt Mitarbeiter Christian Menzel.
Große Fragezeichen. „Wer hat für die Wohnungen noch Schlüssel? Die ehemaligen Mieter dürften keine mehr haben, denn die Übergaben der Wohnungen sind gelaufen und protokolliert“, sagt André Schübel. Zum 31. Oktober war die letzte Mietpartei nach langer gerichtlicher Auseinandersetzung ausgezogen.
Bei den fehlenden Öfen handelt es sich um große Teile. Ein Einzeltäter komme nicht in Frage.„Es braucht schon mehrere Männer, um einen solchen Ofen zu transportieren.“
Die vier Öfen seien zwar nicht absolut hochwertig, doch Eigentum der Wohnungsgesellschaft. Und sie seien, ausgestattet mit Kochfunktion, durchaus gefragt auf dem Markt. Ein Verkauf war vorgesehen. Doch nun sind sie weg. Und die Verantwortlichen fragen sich: Auf welchem Weg – und wer die Täter sind.
„Wir haben bis jetzt gedacht, dass wir ihr Verschwinden selbst aufklären können, da ja nur wenige als Täter in Frage kommen“, sagt André Schübel. Der Umstand, dass kein Schloss beschädigt und der Zutritt nur per Schlüssel möglich ist, ließ das Team der WGS hoffen. Doch bisher Fehlanzeige. Kein Täter weit und breit. „Wer etwas beobachtet hat – irgendwann in der Zeit vom 9. Dezember bis Heiligabend, wird gebeten, sich bei uns zu melden“, wirbt Schübel um Mithilfe: per Telefon (03 68 41) 4 20 36 oder per E-Mail: post(at)wg-schleusingen.de.
Und doch überlegt er nun, die Polizei hinzuzuziehen und Strafanzeige zu stellen. Schließlich möchte er, dass der Diebstahl aufgeklärt wird.
Und während all das passiert, geht es auch weiter mit den Planungen zum großen Millionenprojekt, das in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll.
Aus den bisher zwölf Wohneinheiten sollen nachdem entkernt, „neu gestrickt“ und energetisch saniert wurde, 21 Mietwohnungen entstehen – barrierearm, sechs davon barrierefrei. Ein-, Zwei- und Vierraumwohnungen sollen es werden, jeweils mit Bad, ausgestattet mit einem Fenster. Alle Wohnungen werden über einen Balkon verfügen. Entstehen sollen also Wohnungen, die gesucht sind – im Grünen und dennoch stadtnah. „Ein super Standort“, weiß Schleusingens Bürgermeister Alexander Brodführer (CDU). In den kommenden Wochen stehen dazu die nächsten Gespräche an: im Bauamt des Landratsamts. Dort soll die etwas geänderten Pläne besprochen werden, informiert André Schübel.
Wenn die Tektur passt und die Pläne genehmigungsfähig sind, geht es an die konkrete Finanzierung.„Es ist viel Bewegung am Markt“, weiß der Fachmann. Er spricht nicht nur von Baukostensteigerung, sondern auch von Zinsanstieg „um ein glattes Prozent“ auf 4,5 Prozent. Es werde schwer, die passende Finanzierung zu finden, prognostiziert er. Doch sie wollen es angehen – und parallel Fördermöglichkeiten abklopfen. Denn: „Das allein zu finanzieren, ist nicht möglich. Das wissen wir“, sagt Brodführer.
Er als Aufsichtsratsvorsitzender und der Aufsichtsrat der hundertprozentigen Stadttochter, stehen hinter dem Sanierungsprojekt. „Wir werden unsere Fühler in alle Richtungen ausstrecken, um die Finanzierung letztendlich auf sichere Füße stellen zu können.“ Denn der Stadtchef weiß, dass Schleusingen dringend Wohnraum braucht.
Dem Chef der WGS schwebt ein Drei-Säulen-Finanzierungsmodell vor: Eigenmittel, Fördermittel und ein freies Kapitalmarktdarlehen sollen am Ende das im Dezember 2025 mit fünf Millionen Euro kalkulierte Projekt finanzieren.
Ist alles geklärt, möchten Stadt und Wohnungsgesellschaft loslegen. Schnellstmöglich. Zwei Jahre Bauzeit sei eine realistische Schätzung – und dann könnte vermietet werden. Allerdings „befinden wir uns hier auf dem freien Markt, nicht gestützt wie beispielsweise im Awo-Bau, der zurzeit an der Burgstraße entsteht“, macht Schübel deutlich. Während beim sozialen Wohnungsbau der Awo künftige Mieter einen Wohnberechtigungsschein nachweisen müssen, wird der in Rappelsdorf nicht gebraucht. Allerdings seien die Mieten auch etwas höher. Zehn Euro pro Quadratmeter seien realistisch für nach Neubau vermietete Wohnungen.
Mit Blick auf Vergleichsmieten in der Nachbarstadt Suhl nennt auch der Schleusinger Bürgermeister die avisierten Quadratmeter-Preise „angemessen. Wir müssen mit der Gesellschaft nicht unendlich viel Geld verdienen, doch man sollte sie auch nicht mit Mindermieten herunterwirtschaften“, sagt er, der das Sanierungsprojekt in Rappelsdorf als Investition in die Zukunft sieht. „Wir brauchen Einwohner – und Einwohner brauchen Wohnraum!“
Text: Katja Kempter; Foto: Steffen Ittig
