Wer wohnt nicht gern modern? Die Wohnungsgesellschaft Schleusingen saniert ihre Mietobjekte peu à peu – in manchen Fällen auch in bewohntem Zustand. Führt das nicht aber zu Problemen?
Von Katja Kempter
Schleusingen. Modernisieren, sanieren, unterhalten – auch das sind neben dem Vermieten und Verwalten von Wohnungen Themen einer Wohnungsgesellschaft. So eben auch die der WGS Schleusingen. Zurzeit saniert sie einen Wohnblock mit 15 Wohneinheiten aus DDR-Bestand. Und das in be-wohntem Zustand. Geschäftsführer André Schübel spricht von einer echten Herausforderung und sagt: „Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen werde. Ein Großteil der Mieter hat kaum Verständnis.“
Er wusste schon vor Beginn: Sanieren im laufenden Betrieb ist nicht konfliktarm. Doch er dachte, in der Themarer Straße 12 (a-c) funktioniere das. Er schüttelt den Kopf und sagt: „Ich habe Lehrgeld bezahlt.“ Denn obwohl von den Mietern gewünscht und rechtzeitig angekündigt, gab’s immer wieder Beschwerden während der Sanierungszeit. Über Dinge, die bei Schübel Kopfschütteln hervorrufen.„Wenn das eigene Fernsehkabel im Keller wichtiger ist als die funktionierende Elektrik im Flur, verstehe ich die Welt nicht mehr.“
Mieter über Projekt informiert
Los ging’s mit der Baustelle im vergangenen Frühjahr: Energetische Sanierung, Dach, Fassade, Fenster, Außenanlagen – alles sollte angefasst werden. Vieles ist mittlerweile erledigt. Bisher liege alles im finanziellen Rahmen. Das, was noch ansteht, soll im Frühjahr abgehakt werden.
Doch bevor überhaupt ein Handwerker anrückte, informierte die WGS ihre Mieter umfassend über das Projekt. 1,3 Millionen Euro beabsichtigte sie, in den Wohnblock in der Themarer Straße zu stecken. 125.000 Euro Zuschuss gab es für die energetische Sanierung.

Mit Firmen aus der Region
„Es sind sehr beliebte Wohnungen – die alle außer die Dachgeschosse über einen Balkon verfügen“, sagt Schübel. Drei der Wohnungen seien wegen Wegzugs leergezogen worden und wurden während der Bauzeit nicht wieder vermietet. Unter anderem, um Platz zu haben für Material, das gelagert werden musste, für die Baustelleneinrichtung.
Dann ging’s los – die WGS sanierte mit Firmen aus der Region. Mit fortschreitender Bauzeit stieg jedoch auch der Unmut einiger Mieter. „Eine solche Maßnahme ist nicht in drei Monaten abgehakt. Ich habe erlebt, dass die Unzufriedenheit immer mehr zunimmt.
Früher war auch für Bauaktivitäten mehr Verständnis da“, weiß André Schübel.
Unverschuldete Lieferprobleme
Es habe beispielsweise Lieferprobleme bei den Innenfensterbänken gegeben – nicht von der auf der Baustelle tätigen Firma verschuldet, erzählt er. „Der Lieferant hat die bestellte Ware einfach an eine andere Firma verkauft, und in der Themarer Straße fehlte das Material.“ Die Arbeiten ruhten – bis das Material kam. Er habe versucht, den Mietern den Grund für den Baustopp zu erklären, doch er stieß auf Unverständnis.
Mieterhöhung kommt
„Ich muss künftig noch genauer hinschauen und überlegen, in welchem Haus mit welcher Mieterstruktur man ein solches Projekt angehen kann“, sagt Schübel, der mittlerweile sehr froh ist, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Nun stehen die Außenanlagen mit Müllstellplatz, Parkplätzen, Wäscheplatz und einigem mehr, noch an. Schließlich soll es auch drumrum schön werden. Ein Zugewinn für jeden Mieter.
Was am Ende kommen wird, das ist eine Mieterhöhung. Um 2 Euro pro Quadratmeter. „Dann sind wir bei durchschnittlich 8,30 Euro pro Quadratmeter“, sagt Schübel.
Text: Katja Kempter; Foto: Steffen Ittig
