Bald rappelt’s in Rappelsdorf

Die Wohnungsgesellschaft Schleusingen (WGS) plant im Ortsteil Rappelsdorf ein großes Wohnraum-Sanierungsprojekt. Noch im Sommer zieht die letzte Mietpartei aus – dann kann’s losgehen.

Rappelsdorf. Wie heißt es so schön: Was lange währt, wird endlich gut. Der Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft Schleusingen (WGS) hat einstimmig beschlossen, das Sanierungsprojekt im Ortsteil Rappelsdorf weiterzuverfolgen. Für Geschäftsführer André Schübel ein klarer Auftrag: Die Pläne hat er längst aus der Schublade geholt. Sie werden zurzeit überarbeitet, etwas verändert, sozusagen gefälliger gemacht – und hier und da auch einfacher gehalten. Denn: Bauen ist in den vergangenen Jahren richtig teuer geworden. Deshalb wird genau auf die Pläne und insbesondere auf die Details geschaut. Eine Baugenehmigung liege seit zwei Jahren vor. „Wir müssen nun lediglich eine Tekturzeichnung nachreichen.“

21 Mietwohneinheiten entstehen

Das grobe Gerüst steht: Entstehen sollen 21 Mietwohneinheiten – alle barrierearm. Erreichbar über Aufzug und Laubengang. Ein-, Zwei- und Vierraumwohnungen sollen es werden. Die jeweiligen Größen stehen noch nicht fest. Doch bald sollen die Pläne finalisiert sein; der Wunsch des WGS-Geschäftsführers wäre ein Baustart im kommenden Jahr. Ob das funktioniert, sei freilich abhängig von Fördermitteln. „Wir warten auf Beschlüsse der neuen Bundesregierung – und würden gern Bundes- und Landesprogramme kombinieren.“ Ein nächster Schritt wird also sein, Fördermöglichkeiten abzuklopfen. Schon zum Jahresende soll es aber sichtbare Veränderungen in Rappelsdorf geben: Die Entkernung soll weitergehen, Notsicherungsmaßnahmen sollen laufen, und Bauvorbereitungen getroffen werden.

Die beiden Rappelsdorfer Wohnblocks stehen schon seit 2016 auf der Sanierungsliste der Wohnungsgesellschaft Schleusingen. Ihre Zeit scheint nun gekommen. Foto:Bastian
Frank

2026 und 2027 soll dann gebaut werden. 4,5 Millionen Euro Gesamtbaukosten sind dafür vorgesehen. In zwei Jahren möchte Schübel die ersten Mietverträge unterschreiben. Der Geschäftsführer der WGS peilt Kaltmieten an, die nicht wesentlich über zehn Euro liegen. Mit dem Sanierungsprojekt schlägt die Wohnungsgesellschaft zwei Fliegen mit einer Klappe: Es entstehen Wohnungen, die in Schleusingen dringend benötigt werden: kleine und mittlere barrierearme Wohnungen mit Aufzug, Wohnungen mit anderen Grundrissen, im Grünen. Zweitens werden zwei alte Wohnblocks komplett erneuert. Doch Schübel achtet darauf, dass das äußere Erscheinungsbild der Blocks noch erkennbar bleibt. „Die beiden Gebäude werden verbunden, aber mit Feingefühl.“

Verzögerungen

Eigentlich sollte das Projekt längst im Werden sein. Doch es gab Verzögerungen. Eine Mietpartei wollte nicht ausziehen. „Es ging bis vor Gericht“, bestätigt Schübel. Nun gibt es einen gerichtlichen Vergleich – mit dem beide Seiten leben können. „Das Urteil ist für uns ein wichtiges Signal“, sagt der Gebäudewirtschafter, der nun beruhigt in die Planung gehen kann.

Die Pläne zeigen: Die Häuser sollen gestalterisch in die Neuzeit versetzt werden. Foto: WGS

Was war passiert? André Schübel, der seit zehn Jahren Geschäftsführer der WGS ist, hatte schon im Jahr 2016 festgestellt: Die beiden Wohnblocks, gebaut zu tiefsten DDRZeiten, müssen dringend modernisiert werden. „Über kurz oder lang wären sie nicht mehr vermietbar gewesen“, so Schübel. Alles muss angefasst werden: Angefangen bei der Elektrik bis hin zur Heizung. „Alle Wohnungen wurden noch mit Holz und Kohle geheizt“, verdeutlicht er.

Alternativwohnungen angeboten

Und so wurde in den Folgejahren auch immer wieder auf Mieterversammlungen darauf hingewiesen, dass für eine bevorstehende Sanierung der Wohnblocks diese leer gezogen werden müssten. „Wir haben auch mit Blick auf die Sanierung seit 2017 nach Auszug keine Wohnung mehr vermietet“ Mieterversammlungen folgten mit weiteren Informationen und viele Gespräche mit Mietern. Alternativwohnungen wurden gesucht und Mietaufhebungsverträge geschlossen. Alle Mieter bekamen Alternativwohnungen angeboten – und vereinzelt hätten sie die Angebote in anderen Objekten der Wohnungsgesellschaft angenommen – zu vergünstigten Mietpreisen, sagt Schübel, der weiß, wie wichtig in einem solchen Prozess eine gute Kommunikation ist.

Und doch dauerte der Leerzugsprozess bis heute an. Aber nun sei alles geregelt und es kann losgehen. Das freut auch Bürger-meister Alexander Brodführer (CDU), Vorsitzender des Aufsichtsrats der WGS. Er sieht den Gerichtsentscheid als Startschuss für das Projekt. „Schleusingen braucht dringend Wohnungen“, weiß er. Die Wohnungssuche für die Familie aus Hinternah, deren Haus nach dem Brand unbewohnbar ist, hat ihm das noch einmal deutlich vor Augen geführt. Ein weiterer Punkt: „Wenn wir Zuzug wollen, dann müssen wir Wohnraum vorhalten.

Das Projekt in Rappelsdorf ist ein lange geplantes, das zwischenzeitlich wieder in der Schublade verschwunden war. Jetzt kann es wieder hervorgeholt werden.“ Brodführer jedenfalls stehe dahinter.

Text: Katja Wollschläger; Fotos: Frank Bastian, WGS

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